Die Fotografen-Ausbildung

Wie ist das eigentlich so als Fotograf?

 

Ich habe gerade ein paar alte Fotos gefunden und bin dadurch ein wenig wehmütig geworden, meine Ausbildung ist jetzt schon fast fünf Jahre her…OH MEIN GOTT, fünf Jahre. 

Ich möchte euch gern ein bisschen was über die Ausbildung zur Fotografin erzählen, vielleicht ist das ja für den ein oder anderen Interessant, jetzt, wo der Sommer FAST ansteht -haha...erst kommt noch der Winter ....ABER, da es Ende Februar erst einmal für einen Monat nach Australien geht, hier jetzt einige Informationen wie das als Fotograf so ist....

Vielleicht spielt ja auch der Ein oder Andere mit dem Gedanken sich ab August als Fotograf/in ausbilden zu lassen. Also, los jetzt.

 

Vorab einige Informationen:

· Ausbildungszeit 2,5 – 3 Jahre (kann verkürzt werden)

· 1 bis 2 mal die Woche Berufsschule, ansonsten Arbeit im Betrieb/Fotostudio

· leider sehr niedriges Ausbildungsgehalt - 300 Euro im 3. Lehrjahr

· Arbeit am Wochenende, vor allem im Sommer (

· es bleibt selten bei einer 42,5 Stunden Woche

· positiv: Portraitstudios öffnen meist erst um 9 oder 10 Uhr – das heißt: ausschlafen!

· suuuuper wichtig ist die Wahl des Betriebes (werdet ihr selbst fotografieren dürfen, oder nur zugucken?!)

· zwei mal ÜBL (überbetrieblicher Lehrgang in der HWK Dortmund)

· nach einem Jahr Zwischenprüfung, nach drei Jahren Gesellenprüfung

· mittlerweile könnt einen Schwerpunkt wählen, danach richtet sich dann die Endprüfung (Portrait-, Wissenschafts-, Werbe-, oder Architekturfotografie)

· Führung eines Berichtsheftes, in dem ihr JEDEN Tag dokumentieren müsst

 

Die Berufsschule fand ich einerseits immer toll, weil man da viele Freunde gefunden hat, die die selben Interessen haben - die Fotografie. Yay! Jeder auf seine Weise mehr oder weniger sonderbar und einzigartig – Künstler eben. Die Fächer in der Berufsschule sind von Jahr zu Jahr unterschiedlich je nach Lernfeld. Es gibt die normalen Fächer wie Sozialkunde/Wirtschaft und Englisch, darüber hinaus jedoch auch noch Lernfelder. Diese beinhalten dann zum Beispiel Gestaltungs- und Farbenlehre, Bildkomposition oder Kameratechnik. Die Klausuren sind recht einfach, wenn man ein bisschen lernt. 

Ich war auf zwei überbetrieblichen Lehrgängen in der HWK Dortmund. Im ersten ÜBL haben wir mit der Fachkamera fotografiert und im zweiten Lehrgang ging es eher um die digitale Kameratechnik und die Bildbearbeitung digital geschossener Fotografien. 

 

Die Arbeit im Ausbildungsbetrieb ist schon etwas Anderes als das Leben in der Schule. Vor allem wenn man ein Schulabgänger ist sollte man das nicht unterschätzen. Man ist nicht mehr so früh zu Hause und muss abends locker bis 18 Uhr im Laden stehen. Das heißt, mit Fahrzeit ist man frühestens um halb sieben zuhause.Glücklicherweise habe ich durch die Bankausbildung schon in den normalen Arbeitsalltag schnuppern können und wusste was auf mich zukommt.

Ich habe in einem klassischen Portraitstudio mit Verkaufsladen gelernt. Die Arbeit an sich unterscheidet sich natürlich von Betrieb zu Betrieb, ob man auch Kameras verkaufen darf/soll oder lediglich die Passfotos schießen darf...

Wichtig ist, vor der Ausbildung nachzufragen, ob man auch Kunden fotografieren darf, oder mehr eine Ausilfskraft zum Tasche tragen oder eine günstige Putzfrau ist. Passfotos durfte ich bereits am em ersten tag schießen, Kundenportraits sind dann doch etwas besonderes und man muss sich langsam rantasten...viel üben und nie die Lust verlieren hilft dabei ;)

Ich hatte sogar Leute in der Berufsschulklasse, die nach drei Jahren nichts gelernt hatten, weil sie im Betrieb höchstens mal Passfotos machen durften. Das ist wirklich wahr!

 

Das führt mich direkt zum nächsten Punkt. Hier seht ihr mal einen normalen Arbeitstag:

 

Der Alltag – dass ihr jeden Tag hübsche Leute mit coolen Klamotten fotografieren und eurer Kreativität freuen Lauf lassen dürft, ist leider Wunschvorstellung.

 

10:00 Bewerbungsfotos

10:30 Retusche alter Fotos

10:30 Passfotos, schnell dazwischen, zu sofort (da kam man schonmal  in Zeitverzug – Upsi - Guten Morgen!)

11:00 Portraits erstellt Geschwister für Oma

12:00 3 Personen Passfotos biometrisch

12:30 Ausbelichtungen angefertigt

13:00 Wiederholung der Bewerbungsfotos von 10 Uhr (Krawatte saß schief)

(geil, wenn man das dann selbst verbockt hatte und dann jemand

nochmal kommen musste)

14:00 Neue Chemie angesetzt

……. bla bla und so weiter.....

 

Wenn du Glück hast, seid ihr zwei oder drei Azubis und könnt euch abwechseln. Wenn nicht… Herzlichen Glückwunsch.

 

Und dazu noch die Leute, die in den Laden kommen und nicht wirklich wissen was sie wollen.

“Ich wollte mich mal nach Bewerbungsfotos informieren”

“Brauch ich Fotopass.” 

“Kann ich bei euch Poster drucken lassen?”

“Mein Freund hat bald Geburtstag und ich wollte schon immer mal so besondere Fotos machen lassen”

“Wir heiraten im Sommer…..”

“Mein Pass läuft bald ab…..”

“Ich hatte Fotos nachbestellt auf den Namen…”

 

All sowas halt.... Und das, wenn man Pech hat, allein. Danach bist du Stressresistent, glaub mir. :)

 

Natürlich gibts auch Tage wie diese, wo es mal einfach NICHTS zu tun gibt. Entweder kommen sie alle auf einmal, oder garnicht.

In einem Betrieb mit einem anderen Azubi zu sein ist schon cool.

Hach, ich hoffe das klang jetzt nicht alles zu negativ, aber eine Ausbildung ist kein Spaziergang. Vor allem in einem kleinen Fotostudio, wo du sehr oft nur mit deinem Chef zusammenarbeitest, ist es nicht leicht. Dieser wird nämlich keinen Finger krumm machen, er ist ja schließlich Chef. Das heißt für dich, dass DU die ganze Arbeit erledigen wirst. Du arbeitest also viel und hart – für wenig Geld. In dieser Zeit habe ich viel geflucht – aber auch viel gelernt, vor allem von meinen Mit-Azubis und anderen Fotografen in der Berufsschule. Ein Studium hätte diese Entwicklung nicht bewirkt, da bin ich mir ganz sicher.

 

Ich habe mich danach nicht direkt selbstständig gemacht, das war mir alles viel zu heikel. Mittlerweile arbeite jedoch nebenberuflich als Fotografin. Ich bin frei und kann kreativ sein. Ich liebe das was ich tue – und das sieht man an meinen Bildern. <3

 

Wer fragen an mich oder zur Ausbildung hat, kann mir die gerne stellen, auch anonym! ;)

 

Bis dann,

Sarah

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